Die Münze Nuria

Buchrezensionen hat es auf der Webseite "Die Kapitalismusfehler" schon einige gegeben. Dass ich Ihnen heute einen Märchenroman vorstellen möchte, ist eine Premiere.
Manche der Leser werden vielleicht vermuten, dass ich angesichts der an Trostlosigkeit nicht mehr zu überbietenden Großen Koalition aus der Realität in die Märchenwelt geflüchtet bin, und würden dafür sicher Verständnis haben. Aber dem ist nicht so.

Als ich vor einiger Zeit die Autorin Sylvia Führer traf, habe ich ihr versprochen, ihren Märchenroman "Die Münze Nuria" zu lesen. Angesichts meines begrenzten Zeitbudgets war das ein sehr mutiges Versprechen. Aber ich habe mich dann an die "Pflichtlektüre" gemacht. Danach habe ich der Autorin folgendes geschrieben:
Was als Pflichtlektüre begann, hat als Vergnügen geendet. Die Abenteuer der Münze sind wirklich spannend, jede Story ist mit derselben Inspiration und Sorgfalt geschrieben. Sie lassen wirklich in keinem Kapitel nach und man will wissen, wie es weitergeht. Eine tolle Leistung.

Ich will Ihnen sagen, weshalb ich mich so geäußert habe und weshalb dieses Buch vielleicht auch für Sie und Ihre Kinder eine spannende und entspannende Lektüre sein kann. Es wendet sich an Kinder von 8 bis 108.

Natürlich glauben wir alle zu wissen, was Geld ist. Und auch Kinder wissen das schon und dass sie in der Regel zu wenig davon haben. Meistens dreht sich beim Geld alles um die Frage, wie bekommt man es und wofür gibt man es wieder aus. Was den wenigsten klar ist, dass das Geldsystem selbst die Ursache dafür ist, warum einige so unermesslich viel davon haben und viele so wenig Geld haben, dass sie täglich ums Überleben kämpfen müssen.

Gerade um Letzteres geht es bei dem Märchenroman "Die Münze Nuria". An den vielen Abenteuern der Münze Nuria wird spielerisch und phantasievoll gezeigt, für welche Aufgaben Geld eingesetzt werden kann und wo es Nutzen stiftet und wo und weshalb es schadet. Überall da, wo das Geld schadet, fühlt sich Nuria nicht wohl und überall dort, wo Geld nützt, glänzt auch Nuria sehr hell. Dies geschieht alles mit spielerischer Leichtigkeit und ohne pädagogischen Zeigefinger.

Die Münze Nuria

Man erkennt auch deutlich, dass die Autorin als Grundschulpädagogin mit Kindern arbeitet und dass einige der Ideen zu diesem Buch von den Kindern selbst stammen. Aber auch von den Geldfragen versteht die Autorin sehr viel.

Als Enkelin von Silvio Gesell - dem Gründer und Erfinder der Freiwirtschaftslehre - ist dies nicht überraschend.

Insofern sind bei ihr die besten Voraussetzungen gegeben, Kinder an diese Themen heranzuführen.

Von der Autorin sind in Zukunft weitere interessante Projekte zu erwarten. So hat sie ein Lernspiel für Kinder entwickelt und mit ihren Grundschülern gespielt, das uns überraschende Erkenntnisse von den Erwartungen der Kinder vom Geld vermittelt, die ganz erheblich von dem abweichen, was wir Erwachsene aus dem Geldsystem gemacht haben. Insofern deformieren wir die Kinder im Laufe ihres Entwicklungsprozesses auch in Geldfragen, bis sie so angepasst sind, dass sie keine Fragen mehr stellen.

Enttäuschend und nicht überraschend ist, dass die großen Verlage an der Münze Nuria kein Interesse hatten. Nur ein kleiner Verlag hatte den Mut, das Buch in exzellenter Verarbeitung, ansprechendem Layout und mit vielen farbigen Illustrationen von Fabienne Rieger herauszubringen.

Sylvia Führer, Die Münze Nuria, Illustrationen von Fabienne Rieger, Froh & Frei Verlag, Holzwickede, 2007, ISBN 978-3-939881-04-9, Euro 14,90

Dr. Horst Boettcher, im August 2008


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