Sprechblasen

Sprechblasen - Teil fünf.


Steuerdebakel, wenn die Steuereinnahmen in 2003 und 2004 stark steigen?
Geballte Paranoia bei unseren Vordenkern. Obwohl die Steuereinnahmen stark steigen werden, wird von einem Steuerdebakel mit gigantischen Steuerausfällen gesprochen. Was sind die Tatsachen? Tatsache ist, dass in Deutschland die Steuereinnahmen im Jahr 2004 stark steigen werden, um ca. 3,2%. Bei den Gemeinden um 2,7%, beim Bund um 2,9% und bei den Ländern gar um 3,6%. Damit steigen die Steuereinnahmen deutlich stärker als die Wirtschaft wächst. Das heißt, die öffentlichen Haushalte sind in einer deutlich besseren Position als die Bevölkerungsmehrheit, die mit erheblich bescheideren Zuwächsen auskommen muss. Insgesamt werden 2004 ca. 464 Milliarden Euro an Steuern in die Kassen der öffentlichen Haushalte gespült. Deshalb kann von einem Haushaltsnotstand nicht gesprochen werden. Wenn man trotz deutlich steigender Einnahmen nicht mit dem Geld auskommt, dann liegt Mismanagement vor. Vielleicht ist auch das ganze Krisengerede nur ein Theater, um die Masse der Bürger zu verdummen und sturmreif zu schießen, damit sie einschneidende Maßnahmen akzeptiert. Bloß zu welchem Zweck und zu wessen Nutzen die Sparoperationen vorgenommen werden sollen, bleibt im Dunkeln.

Debakel

Fehlen

Minus

Tatsächlich steigen die Steuereinnahmen in diesem Jahr um 8,1 Milliarden Euro.

Pleite

Krisengeschrei

Steuereinnahmen

Steuerschätzung

Und die Realitäten, die in den Schlagzeilen keine Berücksichtigung finden.
Beispiele aus der Provinzzeitung (Frankfurt-) Höchster Kreisblatt vom 16. Mai 2003

Wie erklärt sich nun das Geschrei von den starken Steuereinbrüchen? Das liegt an den Steuerschätzungen, die fast immer weit von der Wirklichkeit entfernt liegen. So sind die Schätzungen vom Mai 2003 deutlich geringer als die Schätzungen von vor einem halben Jahr. Das heißt, nur die Schätzungen haben sich verändert. Das hat aber mit den tatsächlichen Steuereinnahmen nichts zu tun. Jedermann kann sich vorstellen, dass Steuerschätzungen sehr schwierig sind und mit einem starken Unsicherheitsfaktor behaftet sind. Wenn man dann noch die Steuerschätzungen auf mehrere Jahre hochrechnet, kommen bei verringerten Schätzungen schnell beachtliche Mindersummen zustande. Dies alles ist jedoch nicht viel mehr als Gedankenspielerei und Kaffeesatzleserei. Entscheidend ist, was wirklich an Steuern eingenommen wird. Und das ist in den Jahren 2003 und 2004 eben deutlich mehr als im jeweiligen Vorjahr. Wenn man diese Realität nicht mehr zur Kenntnis nimmt und die mit großem Unsicherheitsfaktor versehenen Schätzungen zur Realität aufbläst, dann macht man sich des Realitätsverlustes schuldig, aber auch der Täuschung der Bevölkerung aus durchsichtig eigennützigen Motiven. Die eigennützigen Motive der Chefmodernisierer liegen auf der Hand. Wenn der Masse Einsparungen auferlegt werden, können die hohen Einkommen für die Chefmodernierer weiter gezahlt werden und möglicherweise sogar noch steigen. Aber das ganze Krisengerede hat auch höchst reale Nachteile. Wenn wir permanent den Standort Deutschland entgegen den Fakten schlecht reden, dann führen wir tatsächlich diesen Niedergang als sich selbst erfüllende Prophezeiung herbei. Das Krisengeschrei ist also höchst kontraproduktiv und um so niederträchtiger, wenn es mit der Realität nichts gemein hat. Nicht eine einzige Zeitung, kein einziger Bericht im Fernsehen hat über die Steuern die Wahrheit berichtet, nämlich dass die Steuereinnahmen in 2003 und 2004 stark steigen werden. Diese Fehlinformation gibt zu großer Sorge Anlass. Offensichtlich gehört unser überfordertes Spitzenpersonal aufs Abstellgleis, in eine Verwahranstalt, wie sie gerade das Land Berlin für seine überzähligen Bediensteten einrichtet. Möglicherweise werden dort die falschen Leute aufs Abstellgleis geschoben.

Prüfstand
Der ehemalige Wirtschaftsweise Peffekoven beglückt uns mal wieder mit der alten Leier: "Alles muss auf den Prüfstand." Und findet im Spiegel vom 19. Mai 2003 einen dankbaren Zuhörer und Lautsprecher. Peffekoven schlägt vor, auch in vertraglich zugesicherte Leistungen einzugreifen, also Verträge zu brechen. Die Situation sei so dramatisch, dass man vor nichts mehr zurück schrecken könne. Alles muss auf den Prüfstand. Aber halt, eben doch nicht alles. Denn so Peffekoven: "Die Zinsbelastung steigt immer weiter an. An diesen Ausgaben ist nichts zu kürzen. Die müssen gezahlt werden." Peffekoven bringt damit - ungewollt, wahrscheinlich merkt er es noch nicht einmal - die Perversität unseres Wirtschaftssystems auf den Punkt. Alles ist frei gegeben zum Abschuss, nur nicht das betrügerische wertlose Schneeballsystem der Staatsschulden mit seinen astronomisch hohen, aber nutzlosen Kosten.
Kann es skrupeloser und perverser zugehen, wenn ein aus öffentlichen Geldern hoch bezahlter Professor sich so ungeniert eigennützig und verantwortungslos äußert. Im Übrigen: Alle Vorschläge, die Peffekoven gemacht hat, betreffen bei den einschneidenden Maßnahmen, die - so Peffekoven - weh tun müssen, immer nur die anderen, nicht ihn selbst und die anderen Schhlaumeier der Nation. Weh tut indes nur diese professorale Arroganz, Eigennützigkeit und Ahnunsglosigkeit. Eliten als Gegner der Bevölkerungsmehrheit. Das ist unser größter Standortnachteil.
Denn Peffekoven steht natürlich nicht allein da. Inzwischen haben auch Vertreter der Opposition dazu aufgerufen, Verträge und Leistungsversprechen (das nennt sich Haushaltssicherung) zu brechen. Der Kanzler verstieg sich gar zu der Bemerkung, es müsste radikale Veränderungen geben. Aber wie alle Insider wissen, lassen sich die gravierenden Fehler des Kapitalismus nicht mit radikalem Sozialabbau lösen. Genauso wenig wie sich Diabetes mit einer Darmspiegelung behandeln lässt. Nicht die Symptome, sondern die Systemfehler müssen beseitigt werden. Das geht im Übrigen ohne radikale Maßnahmen. Die Beachtung einfachster Rechenregeln und logischer Gesetze ist absolut schmerzfrei. Weh tut es nur den falschen Propheten und das ist erwünscht und beabsichtigt.
Wenn es um unsinnige Vorschläge geht, darf auch Angela Merkel nicht fehlen. In einer Sonntagszeitung vom 18. Mai 2003 beglückte sie uns mit dem Uraltvorschlag, länger zu arbeiten. Dadurch könnten Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen werden. Wie das funktionieren soll, konnte sie jedoch genau so wenig erklären wie die vielen anderen, die diesen Vorschlag schon gemacht haben. Wahrscheinlich ist das genaue Gegenteil richtig. Mit einer geschickten, aber deutlichen Arbeitszeitverkürzung könnte die Arbeitslosigkeit effektiv bekämpft werden, so wie das der inzwischen bundesweit bekannte Manager Hartz bei VW mit der Rettung von 30.000 Arbeitsplätzen durch Arbeitszeitverkürzung vorgemacht hat. Vor allem würde dadurch das know how der Beschäftigten erhalten bleiben. Denn die Arbeitslosigkeit betrifft ja mehr und mehr gut ausgebildete Arbeitnehmer, deren Ausbildung und Erfahrung durch Nichtstun wertlos werden. Wir sollten nicht auch noch die Zahl der Problemarbeitslosen mit qualifizierter Ausbildung erhöhen.

Tüteneinpacker sind unsere Zukunft
In einem Spiegelinterview vom 6. Oktober 2003 mit dem Querdenker Biedenkopf wurde folgendes gesagt:
Biedenkopf: In den USA verdienen 20 Prozent der Beschäftigten mit ihrem Hauptjob ein Einkommen unterhalb unseres Sozialhilfeniveaus. Sie müssen deshalb oft mehr als einen Arbeitsplatz haben oder von ihrem Familienverbund mitgetragen werden. Die Produktivität dieser 20 Prozent ist außerordentlich gering. Aber sie arbeiten für ihr Einkommen.
Spiegel: Ist das Ihre Zukunftsvision für Deutschland? Miniverdienste, die nicht einmal die Armutsschwelle überwinden?
Biedenkopf: Das ist keine Vision, sondern zukünftige Notwendigkeit.
Illustriert wurde das Ganze mit dem Bild von Tüteneinpackern in US-Supermärkten, die Zukunftsjobs, die den Widerspruch zwischen kleinem Einmaleins und Kapitalismus auflösen werden.

Eine mörderische Weltwirtschaftsordnung.
Der Schweizer Jean Ziegler, bekannter Wissenschaftler und Buchautor sowie Uno-Sonderbotschafter bezeichnete Mitte Oktober 2003 die gegenwärtige Weltordung als mörderisch und absurd. Hintergrund ist die Tatsache, dass ca. 25.000 Menschen täglich an Hunger sterben. Die Landwirtschaft könnte Nahrungsmittel für 12 Milliarden Menschen produzieren, also für mehr als die doppelte Anzahl der derzeitigen Bewohner der Erde. Es müsste also nicht alle sechs Sekunden ein Kind an Hunger sterben und ca. eine Milliarde Menschen unterernährt sein.
Dreitausend Tote vom 11. September 2001 haben zu hysterischen und kontraproduktiven Reaktionen geführt. Aber über 25.000 Hungertote jeden Tag nehmen dieselben Hysteriker gelassen und völlig unbeteiligt hin. Denn es gibt einen gewaltigen Unterschied. Der Tod vom 11. September 2001 könnte auch jeden der Wohlstandsbäuche der ersten Welt treffen, nicht jedoch der Hungertod. Deshalb ist der Kampf gegen den Terrortod in den Augen der Hysteriker ungleich wichtiger als der Kampf gegen den täglichen Massenmord durch Hunger.

Absturz

Wir erleben zur Zeit den finanziellen Absturz in einer dramatischen Häufung. Mit einer Unverfrorenheit, die ihresgleichen sucht, werden die finanziellen Lasten auf die Armen, Alten und Kranken abgewälzt. Viele der Oberschlauen haben es schon immer gewusst. Diese Umverteilerei kann zu nichts Gutem führen. Deshalb das Hohe Lied auf die Entfesselung der (Finanz-) Märkte. Doch halt, auch und gerade das marode Finanzsystem meldet sich zu Wort:
Schneeballsystem der wertlosen, aber für uns teuren Staatsschulden mit neuer Rekordverschuldung in (fast) allen führenden Industrienationen,
überbordene Zinslasten für die gesamte Gesellschaft,
ständiger finanzieller Zusammenbruch von Staaten
und abgestürzte Börsen.
Und jetzt auch noch die Lebensversicherungen. In einer Nacht- und Nebelaktion sollten milliardenschwere Steuererleichterungen zur Rettung der Lebensversicherungen durch das Parlament gepeitscht werden. Im Spiegel vom 20. Oktober 2003 hieß es: Null Rendite, null Reserven - Absturz der Lebensversicherungen. In dieser Situation waren sich die Nieten in Nadelstreifen nicht zu fein, die Bundesregierung um milliardenschwere Steuersubventionen zu erpressen. Die kühl kalkulierenden Manager der Lebensversicherungen wussten, dass sich der Staat den Zorn der Versicherten zuziehen würde, wenn sich die Pleiten in dieser Branche häufen. Und ausgerechnet die Lebensversicherungen sollen die Alternative zum gesetzlichen Rentensystem sein. Schneller und gründlicher konnte ein Irrweg nicht entlarvt werden.
Gerade die, die einen schwachen Staat wollen, sind die Ersten, die massive Hilfe vom Staat einfordern. Merke: Ohne einen starken und finanziell gut ausgestatteten Staat ist unser System zum Scheitern verurteilt. Und die Krise zeigt noch eins: Die Finanzsysteme sind so marode, dass diese Tatsache der Öffentlichkeit vorenthalten werden soll. Die Finanzsysteme sind so marode, dass eine öffentliche Diskussion um die richtige Ausgestaltung eines neuen Finanzsystems nicht gewagt werden soll. Auch das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Die Augen zu verschließen, macht die Dinge noch gefährlicher.
Und noch ein Absturz ist zu vermelden. Angeblich gibt es ja Staaten, denen wir nacheifern können und sollen. Einer dieser Vorzeigestaaten war Holland. Jetzt konnte man im Spiegel lesen, dass dieses Modell gründlich gescheitert ist. Die dramatische Rückführung der Staatsquote von fünfzig auf vierzig Prozent hat zu einem katastrophalen Zustand der Infrastruktur geführt. Marode Züge und Bahnhöfe, Schulen, Krankenhäuser. Selbst die Gestrandeten der Radikalkur kann man nicht mehr unterbringen: es fehlen Gefängniszellen. Die ständige Lohndrückerei hat zu einer stark verringerten Produktivität und damit verringerten internationalen Wettbewerbsfähigkeit geführt. In die Krankenhäuser trauen sich alte Mensche nur noch mit einem Zettel in der Tasche: Mach mich nicht tot, Doktor! Die liberalen Gesetze zur Beendigung unwürdigen und teuren Lebens geben holländischen Ärzten eine große Entscheidungsfreiheit. Genauso schlimm: das wenig leistungsfähige Schulsystem: Die Hölländer haben sich deshalb erst gar nicht getraut, an der Pisa-Studie teilzunehmen. Selbst die angeblich größte Leistung der Holländer, das angebliche Senken der Arbeitslosenzahlen stellt sich im Nachhinein als Fälschung der Statistik heraus.
Neben den USA war auch England immer das Vorzeigemodell, an dessen Wesen die Deutschen genesen sollten. Mit einer seltenen Offenheit hat die Fernsehfrau und mehrjährige Berichterstatterin aus London, Maria von Welser, dies in einer Talkshow als Märchen entlarvt. Das Leben in England ist hart und sozial kalt. England befinde sich (z. B. im Gesundheitswesen) auf dem Niveau eines Dritte-Welt-Landes. "Dürftiges, überwiegend steuerfinanziertes Sozialwesen, das gerade genug bietet, um bittere Armut zu vermeiden, dazu schwache Gewerkschaften, niedrige Löhne und minimaler Kündigungsschutz." (Spiegel 1/2003). Nach einer ARD/ZDF-Videotextmeldung vom 31. Oktober 2003 sind im letzen Winter ca. 20.000 Rentner in UK den Kältetod gestorben, weil sie kein Geld hatten, ihre Behausungen ausreichend zu heizen. Viele überleben auch das Gesundheitswesen auf Dritte-Welt-Niveau nicht, weil sie nicht ausreichend oder nicht rechtzeitig behandelt werden. Trotzdem empfehlen viele Medien permanent das englische Modell für uns als Vorbild, dem wir nacheifern sollten: geistiger und moralischer Bankrott.
Zusätzlich ist trotz aller Kürzungen und der maroden Infrastruktur das Staatdefizit auch in England auf das Rekordniveau von ca. vier Prozent des BIP angewachsen.
Das sind abschreckende Beispiele. Aber genau diesen Beispielen will die Bundesrepublik mit ihren Maßnahmen nacheifern. Armes Deutschland! Das einzige Bollwerk, das das verhindern kann, sind starke Gewerkschaften. Deshalb auch das ständige Beleidigen der Gewerkschaften als Betonköpfe, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. Deshalb der Ruf nach einer deutschen Maggie Thatcher, die die Gewerkschaften zerschlagen soll. Denn nur mit zahnlosen Gewerkschaften gelingt der Weg in die maroden Gesellschaften à la England, Holland, USA. Hoffentlich gehen wir diesen Irrweg nicht und beginnen stattdessen die Arbeit an einem neuen Finanzsystem.
Der Autor wird sich in Kurzberichten (siehe erste Seite) und in einem neuen Buch ausführliicher zu diesen Ungereimtheiten äußern.

Zwanzig Millionen Rentner werden zu Freiwild.
Zwanzig Millionen Rentner erleben mit Erstaunen, dass in ihre Renten willkürlich und mit unmittelbarer Wirkung eingegriffen werden kann. Einen irgendwie gearteten Bestandsschutz - ein sonst hohes Rechtsgut - scheint es nicht (mehr) zu geben.
In der Bildzeitung vom 24. Oktober 2003 konnte man folgendes lesen: Frage:Darf der Staat mir eigentlich die Renten kürzen? Antwort: Ja, sagen Experten! Der Saarbrücker Verfassungs­rechtler Prof. Rudolf Wendt: "Das Bundesverfassungsgericht schließt Null­runden und sogar Kürzungen nicht aus. Eine Renten-Absenkung unter Sozialhilfe-Niveau wäre allerdings verfassungswidrig."

Besonders infam ist diese Methode bei Menschen, die zwangsweise in das Rentensystem eingezahlt haben, aber im Alter nicht mehr die Möglichkeit haben, sich zu wehren (auch nicht mit dem Stimmzettel, denn die Opposition will es ja noch schlimmer treiben) oder durch erneute Erwerbsarbeit oder Kapitalanlage sich vor den Kürzungen zu schützen. Es wird zudem der Eindruck erweckt, dass die Rentner die Schmarotzer des Systems seien und sich freuen können, wenn ihnen überhaupt noch ein paar Almosen zufließen. Es wird dabei ganz vergessen, dass die meisten Rentner über viele Jahre und mit teilweise hohen Beiträgen sich einen Anspruch auf Gegenwert verdient haben. Wenn nun die wehrlose Situation der Rentner ausgenutzt wird, dann ist das schäbiger Betrug. Es herrscht das Recht des Stärkeren wie in gesetzlosen Gesellschaften. Eine schlimme Entwicklung! Aber auch eine wirtschaftlich unsinnige Entwicklung. Denn mit sinkenden oder stagnierenden Renteneinkommen sinkt auch die Kaufkraft und Kauflust. Eine Konjunkturerholung ist so nicht zu bewirken. Aber es ist auch eine ungerechte Entwicklung. Denn ehemalige Beamte und jetzige Pensionäre haben nie etwas für ihre Altersversorgung eingezahlt. Deshalb gibt es keine Beamtenkasse, deshalb kann dort auch nichts fehlen und der Krisenherd Beamtenpenisonen existiert deshalb nicht. Auch Politiker möchten nicht gern über dieses Thema reden, denn sonst müssten sie zugeben, dass sie das Geld, das sie für die Pensionen hätten zurückstellen müssen, verfrühstückt haben.
Wie gut geht es dagegen unserem maroden Finanzsystem mit seinen überbordenden Zinslasten. So bleibt z. B. das betrügerische und verfassungswidrige Schneeballsystem mit seinen wertlosen Staatsschulden unangetastet. Im Gegenteil, es scheint sogar der Rettungsanker zu sein. Denn mit immer höherer Rekordverschuldung holt man sich die fehlenden Gelder sozusagen "out of blue". Wann das System gegen die Wand fahren wird, ist unbestimmt. Und so lange kann man sich durchwursteln. Und wenn es hinten und vorne klemmt, dann sind es wieder die gierigen Rentner, die zu teuer sind und die man zu den Sparschweinen der Nation machen kann.
Und was tut das Verfassungsgericht gegen das verfassungswidrige und betrügerische finanzielle Schneeballsystem? Nichts! Obwohl das Verfassungsgericht sehr streng ist bei scheinbaren Pipi-Ungerechtigkeiten wie dem Pflegeversicherungsbeitrag von Familien. Ist es nicht himmelschreiend ungerecht, dass eine Familie mit zehn Kindern denselben Pflegebeitrag zahlt und damit zwölf Personen für denselben Beitrag versichert sind wie ein Alleinstehender? Wie unbedeutend ist es dagegen, wenn die wertlosen Staatsanleihen immer neue verfassungswidrige Rekorde sprengen und die nachfolgenden Generationen auf einem Schuldenberg sitzen, den niemand mehr abbezahlen kann und der uns jährlich ca. 70 Milliarden Euro sinnloser Zinszahlungen kostet.
Ein System und seine "Eliten", das zwanzig Millionen Renter zu Sparschweinen der Nation macht, aber ein marodes und extrem teures Finanzsystem unangetastet lässt, erklärt seinen geistigen, moralischen, aber auch finanziellen Bankrott.

Phantastische US-Wachstumsrate - leider eine Fälschung
Haben Sie sich auch gewundert, als Ende Oktober 2003 aus dem vor sich hin dümpelnden Amerika ein Wachstumswunder von 7,2% gemeldet wurde? Die angeblich höchste Wachstumsrate seit 19 Jahren, die sogar noch die gefälschten Wachstumsraten der inzwischen verblichenen new economy übertroffen haben soll. 7% Wachstum werden normalerweise nur von Entwicklungsländern gemeldet, die bei niedrigen Basiszahlen diese Prozentzahlen schon mal erreichen können. Aber die USA? Haben sich die USA in ein Entwicklungsland zurück verwandelt? Mitnichten.
Das US-Wachstumswunder vom dritten Quartal 2003 in Höhe von 7,2% entpuppt sich bei näherem Hinsehen als die nun schon sattsam bekannte Trickserei und Täuschung, ohne die es wohl angesichts der Kapitalismuskrise nicht mehr geht. Leider haben unsere Medien wieder nicht hinterfragt und die Bevölkerung mal wieder falsch informiert. Für die horrenden Fernsehgebühren sollte es ihnen allerdings möglich sein, zumindest die primitivsten Täuschungstricks der US-Administration zu durchschauen, wenn man das überhaupt will. Denn wenn die USA als Vorbild wegfallen, bricht das ganze Kartenhaus des Kapitalismus zusammen. Zunächst handelt es sich bei den 7,2% Wachstum um eine auf die nächsten vier Quartale hochgerechnete Zahl. Die Wachstumsrate vom zweiten auf das dritte Quartal 2003 hat lediglich 1,7% betragen. Allerdings ist auch das eine beeindruckende Zahl. Leider ist auch sie gefälscht. Denn man hat sich angewöhnt die Zahlen der Wirtschaftsleistung zu manipulieren. Und zwar werden die Produktverbesserungen in Mark und Pfennig bewertet und der Wirtschaftsleistung zugeschlagen, obwohl niemand dieses Geld je in der Hand hat oder haben wird. So werden heutige Computer mit einem Wert von 1000 Dollar mit 4420 Dollar bewertet, weil man davon ausgeht , dass auf den Stichtag von 1996 zurück gerechnet diese Computer damals 4420 Dollar wert gewesen wären. So sind die Computerverkäufe real vom Quartal zwei auf das Quartal drei/2003 nur von 82,4 auf 88,3 Mrd. Dollar gestiegen. In der US-Wachstumsstatistik werden daraus Computerverkäufe von 354,9 (Quartal zwei) und 390,3 Mrd. Dollar (Quartal drei/2003). Rechnet man allein diese aufgeblähten irrealen Computerverkäufe heraus, so schrumpft die Wachstumsrate des Quartals drei/2003 auf magere 1%. Bei welchen anderen Produkten (z. B. Autos und alle technischen Geräte) mit welchen Blähraten manipuliert wurde, ist nicht bekannt. Möglicherweise schrumpft nach einer solchen Bereinigung das Wachstum auf die erwartete unbedeutende Größe, wenn man auch bei den anderen Manipulationen die Luft heraus lässt.
Man muss außerdem berücksichtigen, welche Verschuldung (ca. 500 Milliarden Dollar), welche Steuernachlässe (ca. 130 Milliarden Dollar) und welch aufgebähter Militäretat (ca. 400 Milliarden Dollar) hinter der Wirtschaft des Jahres 2003 stehen, um der Wirtschaft überhaupt etwas Leben einzuhauchen.
Auch die Beschäftigtenzahlen sprechen eindeutig gegen die 7,2% Wachstumsrate. Denn sonst könnte die Arbeitslosenrate nicht noch weiter steigen, obwohl jedes Jahr Millionen US-Amerikaner aus der Arbeitslosenstatistik herausfallen, weil sie zu lange arbeitslos sind oder mit einer Beschäftigung von einigen Wochenstunden nicht mehr als arbeitslos gelten. Seit dem Amtsantritt von George W. Bush sind überdies netto ca. 3,3 Millionen Arbeitsplätze weggefallen. Auch das sind Zahlen, die nicht mit dem angeblichen Wachstumwunder der USA zusammen passen. Die Quelle für diese Zahlen ist wesentlich die internationale Finanzzeitschrift Neue Solidarität 46/2003 (www.solidaritaet.com). Denn, wie gesagt, die alten Medien wollten nicht über die Manipulation berichten und haben uns kritiklos die Fälschungen fahrlässig oder absichtlich als Tatsachen verkauft.


Fortsetzung folgt.


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