Armutszeugnis für wichtige Print-Medien

Die Briefaktion (Einzelheiten) ist eine gute Gelegenheit, den Nutzen unserer Medien etwas näher in Augenschein zu nehmen. Gehören sie vielleicht auch zu dem Personen- und Institutionenkreis, der zu den Gegnern der Bevölkerungsmehrheit gehört, von denen schon auf der Eingangsseite dieser Webseite die Rede war? In einem Schreiben Anfang März 2002 ist einigen wichtigen Print-Medien Informationsmaterial angeboten worden zu dem Dauerbrenner Staatsverschuldung, erweitert um die Schäden bei Geld und Zins und genereller Überschuldung, einschließlich der Zins-/Wachstumsfalle. Beigefügt wurde ein Heft der Zeitschrift Humanwirtschaft Februar/März 2002 mit vielen interessanten Artikeln zu diesen Themen, einschließlich eines Artikels des Autors. Ferner wurde der Name dieser Webseite angegeben. Auf dieser Webseite befindet sich eine Fülle weiteren Materials, einschließlich mehrerer Leseproben und die Möglichkeit, zwei umfassende Bücher zu diesen Themen innerhalb weniger Minuten auf den heimischen Bildschirm zu laden. Bequemer und schneller kann zielgerichtete Information nicht angeboten werden. Desweiteren war natürlich auch jederzeit die Kontaktaufnahme mit dem Autor möglich. Auf diesen Webseiten ergibt sich ferner, dass die Bücher des Autors ein weitgefächertes Spektrum von Referenzen erhalten haben, einschließlich mehrerer Fernsehauftritte. Ferner sind in den Büchern die Stellungnahmen einer Vielzahl der unterschiedlichsten Autoren und Institutionen veröffentlicht worden.
Alles in allem also, ein sehr ausgewogenes Informationsangebot zu den Denk- und Rechenfehlern des Kapitalismus von einem ausgewiesenen Fachmann, dem eine einfältige und einseitige Berichterstattung gegenüber steht (Schmalspurpublizistik).
Notwendigerweise und Gott sei Dank war und ist mit dem Informationsangebot auch ein Verlassen der Trampelpfade verbunden. Denn mit den bisherigen Vorschlägen zur Bewältigung der Situation war ja kein Staat zu machen, auch wenn die Gangart immer wieder verschärft wurde. Leider war die Reaktion beschämend. Eine Veröffentlichung dieses Informationsmaterials hat es nicht gegeben. Diese Informationen treffen wahrscheinlich so sehr den Kern der Dinge, dass man selbst eine einmalige Veröffentlichung der Kernthesen nicht riskieren wollte. Im Gegenteil, das Aufrechterhalten der augenblicklichen sehr gemütlichen Situation einer kleinen Oberschicht ist nur möglich, wenn man die enormen Schäden zu Lasten der Bevölkerungsmehrheit im Dunkeln lässt, die dieser kleine, aber reiche und einflussreiche Kreis anrichtet. Die Aufgabe der Presse, Meinungsvielfalt herzustellen, scheint nicht zu den herausragenden Merkmalen der Presse zu gehören. Wenn man schon immer den Eindruck hatte, dass die Presse einseitig berichtet, dann gibt es jetzt mit der Briefaktion einen überzeugenden Beweis mehr. Man muss sich dann allerdings bei den Zeitungen nicht wundern, dass die Leser weglaufen, wenn man immer wieder dieselbe Leier zu Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen liefert und keinerlei neue Themen aufgreift. Wer also von der Presse eine innovative und hilfreiche Berichterstattung erwartet, ist auf dem Holzweg. Vielmehr werden massiv eigene Interessen der Eigentümer und Anzeigenkunden publizistisch durchgesetzt. Wenn also über die Themen Geld, Zins und Überschuldung mit dem besonders verabscheuungswürdigen Spezialfall Staatsverschuldung nicht berichtet wird, dann handelt es sich hier um ein zielgerichtetes unehrenhaftes,aber notwendiges Schweigen. Denn nur wenn die Hintergünde z. B. des Betrugs mit dem Schneeballsystem Staatsverschuldung im Dunkeln bleiben, ist ein Fortführen dieses kriminellen Systems überhaupt möglich. Denn wenn diese Dinge der breiten Öffentlichkeit bekannt und verständlich würden, dann wären die Tage der (Un-) Verantwortlichen und ihrer Helfershelfer gezählt. Und daran haben diese "Verantwortlichen" und ihre publizistischen Helfer naturgemäß überhaupt kein Interesse. Deshalb ist für viele Medien nicht die gezielte Information der Sinn der Pressearbeit, sondern die gezielte Desinformation. Das, was ich höflich ausgedrückt habe, haben andere fachkundige Akteure mit weniger Zurückhaltung formuliert.

Da ist zunächst der Wirtschaftspublizist Paul C. Martin. Er war lange stellvertretender Chefredakteur der Bildzeitung und ist ein ausgezeichneter Kenner der oben angesprochenen Problemkreise. Zu dem Thema, weshalb sich das Schneeballsystem Staatsverschuldung immer weiter drehen kann, schreibt er in seinem Buch "Die Krisenschaukel" PCM auf Seite 245: Die Inhaber der Staatstitel sind einflussreich. Sie beherrschen die hohen Ämter, kontrollieren die öffentliche Meinung... Und sie sind im Besitz der demokratisch legitimierten Macht. Sie werden nicht freiwillig von ihren Ansprüchen abgehen. Paul C. Martin bezeichnet z. B. die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) als das Sprachrohr der Gläubiger-Fraktion in unserem Lande. Will man von einem Sprachrohr erwarten, dass es eine objektive Publizistik betreibt? Natürlich darf sich nicht nur die FAZ mit dem Titel Sprachrohr schmücken. Bis auf wenige Ausnahmen sind auch die meisten anderen Zeitungen das Sprachrohr derselben Interessen.

Cover Köpf Peter Köpf hat das in seinem Buch "Deutschland: Volle Kraft zurück? Wie unsere Eliten die Zukunft verschenken." folgendermaßen formuliert:
"In einer der größten Propagandaschlachten der Nachkriegsgeschichte nehmen die Mächtigen in Wirtschaft und Politik alle sozialen und kulturellen Errungenschaften aus 50 Jahren Bundesrepublik unter Beschuss. Eine raffgierige Elite steckt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen das Volk zum Abspecken in den Schwitzkasten."

Selbst Paul Krugman, ein weltweit gehörter Wirtschaftspublizist aus den USA, und wahrhaftig kein Rebell dieser Zunft, ist trotzdem entsetzt über Meinungsmanipulation und gekaufte Medien und Studien zur gezielten Desinformation der Bevölkerungsmehrheit. In seinem Buch "Schmalspurökonomie" Krugman heißt es:
Die Unterstützung der Reichen wiegt nicht gering. Obwohl im Zentrum der politischen Debatte stehend, ruht die Wirtschaftsforschung auf einer äußerst bescheidenen finanziellen Basis. Die jährlichen Gesamtmittel der National Science Foundation für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaft belaufen sich auf nicht einmal zwanzig Millionen Dollar. Dies bedeutet, dass bereits ein paar wenige reiche Spinner in der Lage sind, mit einem von ihnen unterhaltenen Netz von "Denkfabriken", Forschungseinrichtungen, Stiftungen und so weiter kräftig mitzumischen und eine Wirtschaftsideologie ihrer Wahl salonfähig zu machen.
Denn was auch geschehen mag: Die Angebotsideologen haben in der Welt der Free Enterprise Institutes und Centers for the Study of Capitalism so oder so einen sicheren Hafen und durch Medien wie Forbes und Wall Street Journal ein devotes Sprachrohr - und an Nachwuchs, der nicht müde wird, die alte Leier immer und immer wieder abzuspulen, fehlt es ja offenkundig auch nicht. Taucht also eine Studie auf, die z. B. die Einkommens- und Vermögenskonzentration in den Blickpunkt rückt, nutzen sie einfach die Macht der konservativen Presse, um das Ganze mit allen erdenklichen Argumenten, und seien sie noch so fadenscheinig, als Machwerk zu denunzieren. Möglichkeiten zur Veröffentlichung solcher Attacken gibt es bekanntlich genug - und Schreiberlinge auch, denn die Reichen unterscheiden sich vom Rest der Gesellschaft in einem klitzekleinen Punkt: An Geld fehlt es nie. Sie unterhalten ihre eigenen Zeitschriften und Zeitungen und ihre eigenen "Denkfabriken", die freilich - egal wie sie heißen - nichts anderes zu tun haben, als den Interessen ihrer Geldgeber zu dienen. H. L. Mencken hat es einmal so auf den Punkt gebracht: Es ist schwer, jemand etwas begreiflich zu machen, wenn sein Lebensunterhalt davon abhängt, dass er es eben nicht begreift. Da die eigene Doktrin (der Konservativen) auf einer Sicht der Dinge basiert, die glatt an der Wirklichkeit vorbeigeht, kann die Devise nur lauten: Je weniger Fakten, desto besser. Das sagt der konservative weltweit geachtete Wirtschaftsprofessor Paul Krugman. Ein seltenes offenes Bekenntnis eines Insiders.

In Deutschland hat es den Chefredakteur der Financial Times Deutschland vor der Bundestagswahl im Herbst 2002 nicht mehr auf seinem Sessel gehalten. Er war sich wohl seiner Argumente nicht sicher, dass seine Leser merken sollten, die CDU zu wählen. Er hat deshalb in einem redaktionellen Artikel eine direkte plumpe Wahlempfehlung für die CDU gegeben. Die Mehrheit der Redaktion war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Aber Pressefreiheit war für den Chefredakteur das, was er für richtig hielt. Ein weiterer armseliger Wichtigtuer in der Presselandschaft, der Meinungsvielfalt nicht buchstabieren kann.

Freiheit

Viele Presseleute und andere "Vordenker" tun alles, dass obige Forderung nicht Wirklichkeit wird. Es wäre das Ende ihrer komfortablen Existenz. Meinungsvielfalt ist nun wirklich das Allerletzte, was gewünscht wird. Es würde viele gravierende Mängel unseres Wirtschaftssystems beseitigen und damit die meisten Pfründe vieler "Vordenker". Welche Angst viele Presseleute vor der Wahrheit und der Meinungsvielfalt haben, zeigt sich auch daran, dass immer wieder kritische Texte selbst in Form von bezahlten Anzeigen abgelehnt werden. So hat erst kürzlich die Springer-Presse zugegeben, die Veröffentlichung vieler Anzeigen der PDS abgelehnt zu haben. Das geht auch vielen anderen Organisationen so. Welche Kraft der Argumente müssen diese Texte haben, dass sie selbst in Form von einmaligen Anzeigen so überzeugend sind, dass nur ein Totschweigen der Themen zumindest vorübergehend weiter hilft. Totschweigen ist eine beliebte Taktik, so wie es Paul Krugman weiter oben formuliert hat. Je weniger Fakten, desto besser.

Besonders ärgerlich ist ein Vorfall, der ein beliebtes gängiges Totschlagargument zum Einsturz gebracht hat. Jahrzehntelang wurde und wird in der Presse und den entsprechenden Wirtschaftskreisen gegen die Forderung gewettert, mit Arbeitszeitverkürzung könne man der Arbeitslosigkeit Herr werden. Unsere "Vordenker" haben immer das Gegenteil behauptet und fordern auch heute noch längere Arbeitszeiten und späteres Rentenalter. Und dann kam ausgerechnet ein Flaggschiff des Kapitalismus und ein knallharter Sanierer und bewiesen das Gegenteil: Volkswagen. Dort wurde die Vier-Tage-Woche eingeführt und ca. 30.000 Arbeitsplätze wurden gerettet. Der Erfinder dieser Idee war Herr Hartz. Das, was allenthalben hätte Jubel auslösen müssen und zum Nachahmen hätte inspirieren müssen, löste bei vielen "Vordenkern" nur blankes Entsetzen aus. Nach den Theorien vieler "Vordenker" müsste VW schon längst pleite sein, so viel Schaden hätte dieses moderne Gesellschaftsmodell schon anrichten müssen. Aber VW existiert noch und verhöhnt damit die Substanzlosigkeit vieler gängiger Argumente. Jetzt bleibt nur noch eins. Sie werden es schon erraten. Möglichst über dieses Modell nicht mehr berichten, es totschweigen. Tatsachen stören eben die gemütliche Welt der Vorurteile und die Bewahrung der verkrusteten Strukturen, die für einen kleinen Kreis ein sorgenfreies Leben bedeuten. Und das, obwohl uns doch immer gepredigt wurde und wird, wir müssten weitgehende Strukturreformen vornehmen. Und das Peinlichste ist, dass Herr Hartz im Herbst 2002 wieder Furore gemacht hat, diesmal mit seinem von allen gesellschaftlichen Gruppen abgesegneten Konzept des Hartz-Modells zur Verringerung der Arbeitslosigkeit.

Auch ein weiteres Totschlagargument hat niemanden tot geschlagen, sondern hat seine eigene Beerdigung gefunden. Das ist das lange gepflegte Vorurteil, beim Atomausstieg gingen im wahrsten Sinne des Wortes die Lichter aus. Nachdem nun der Atomausstieg besiegelt wurde, gingen die Lichter nicht aus und die Atomwirtschaft fürchtet nichts mehr, als dass ein siegreicher Kanzlerkandidat der Konservativen diesen Ausstieg wieder rückgängig machen würde. Aber so etwas Dummes ist von dem Kandidaten in der Tat nicht zu hören. Der Kandidat ist bei der Bundestagswahl 2002 nicht Kanzler geworden. Und die Energiewirtschaft ist froh, dass sie in geordneten Bahnen aus dieser teuren und gefährlichen Technologie aussteigen kann.

Warum brechen nun immer wieder so gefestigte Vorurteile, die über Jahrzehnte Bestand hatten, sang- und klanglos zusammen? Das liegt daran, dass diesen Argumenten keinerlei Sachverstand zu Grunde liegt, sondern nur der vermeintliche Nutzen bestimmter mächtiger Interessentenkreise. Da Meinungsvielfalt weitgehend eingeschränkt ist, kann es auch nicht zu den fruchtbaren Diskussionen zur Verbesserung der Situation kommen. Das können wir uns aber nicht leisten. Wir können nicht immer Jahrzehnte warten, bis die Tatsachen bestimmte sehr viel Schaden stiftende Vorurteile pulverisieren.

Meinungsvielfalt ist ein wichtiger Faktor für weit gefächerten Wohlstand, weil sich nur in der Meinungsvielfalt die besten Modelle entwickeln können. Wer Meinungsvielfalt behindert oder verhindert, ist ein Gegner des Wohlstands der Bevölkerungsmehrheit.


Nicht niedrigere Löhne, Abbau von Sozialleistungen und Schutzrechten ist der Königsweg zu mehr Wohlstand, sondern die Erhöhung der Qualität der Meinungsvielfalt. Aber mit diesem Argument dürften nun die Grenzen der Einsichtsfähigkeit bestimmter Kreise vollends überschritten sein.



Alles, was Sie in den Büchern des Autors und auf diesen Webseiten lesen, ist gesichertes Wissen und im Internet auf vielen Seiten und zusätzlich in unterschiedlichsten Büchern nachzulesen. Nur in der Presse und im Fernsehen werden Sie über die hier besprochenen bedeutenden Fehlentwicklungen nicht informiert. Es ist, als ob die Presse wegen ihrer Abhängigkeit von den Eigentümern und den Anzeigenkunden und das Fernsehen aus falsch verstandener political correctness in einer Scheiwelt leben. Der Unterschied zwischem dem Internetwissen und den Preis gegebenen Informationen in Presse und Fernsehen ist mehr als peinlich und einer der Hauptgründe, dass die wirklich schwerwiegenden Probleme nicht angegangen werden und Lösungsmöglichkeiten sich nur innerhalb einer geringen Bandbreite bewegen dürfen. Da man für vieles, was unsere "Vordenker" angerichtet haben, nur Verachtung empfinden kann, ist es durchaus verständlich, dass dies nicht an die Öffentlichkeit gelangen soll. Dass dieses Verschleiern allerdings noch so gut klappt, ist im sogenannten Zeitalter des Wissens mehr als erschreckend. Die Briefaktion und dessen für die Presse mehr als peinliches Ergebnis sind eine zusätzliche Bestätigung für die unhaltbaren Zustände in diesem Gewerbe.

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