Die Wiederwahl von Bush

Die Bush-Wähler flüchten aus der Wirklichkeit

Die Wiederwahl von Bush ist das einschneidendste negative Ereignis der Weltpolitik seit dem zweiten Weltkrieg. Damit verabschieden sich die USA aus einer gestaltenden Weltpolitik. Die Welt muss künftig ohne und wenn es sein muss, auch gegen die USA organisiert werden. Warum ist das so? In den USA haben religiöse Fundamentalisten, Pseudo-Moralapostel, Einfaltspinsel, Kriegstreiber und ländliche Traumtänzer sowie das big business Bush zur Wiederwahl verholfen. Damit hat Bush das schwächste (wenn auch zahlenmäßig starke) Mandat, was die Zusammensetzung seiner Wähler angeht. Es ist klar, dass er mit diesen Wählern im Rücken keine verantwortungsvolle Politik nach innen und außen machen kann. Hinzu kommt, dass in der europäischen Bevölkerung fast aller Nationen eine so extreme Abneigung gegen diesen Präsidenten besteht, wie noch niemals zuvor in der Geschichte. Daraus müssen wir sofort Konsequenzen ziehen (siehe weiter unten).
Konnte man bei der ersten Wahl von Bush noch entschuldigend beschwichtigen, die Leute hätten keine Ahnung gehabt von der Gefährlichkeit und Unfähigkeit dieses Präsidenten, so ist es bei der Wiederwahl genau anders herum. Die Mehrheit der meist ahnungslosen US-Bürger (mit Ausnahme der schmalen Küstenstriche im Osten und Westen) haben genau diese Unfähigkeit und Gefährlichkeit gewählt. Sie haben auch einen Lügenpräsidenten gewählt, der bei der Einschätzung fast aller seiner (Kriegs-) Abenteuer genau daneben gelegen hat. Die Wähler von Bush sind in eine Traumwelt abgetaucht. Sie wollen einfache Antworten auf schwierige Fragen. Sie sind nicht bereit, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. So sind auch heute noch große Mehrheiten der Bush-Wähler der Meinung, der Irak habe Massenvernichtungswaffen und Al-Kaida unterstützt, obwohl beides widerlegt wurde und die Medien darüber auch ausführlich berichtet haben. Auch sehen die meisten der Bush-Wähler den Präsidenten als ehrliche Haut, obwohl er in vielen Veröffentlichungen ein Lügenpräsident genannt wird. Das ist ein Wegtauchen in eine Traumwelt, für die die USA und insbesondere die nicht reichen Bush-Wähler einen hohen Preis bezahlen werden.
Denn die fundamentalen Schwierigkeiten der US-Wirtschaft sind enorm. Die Wirtschaft ist völlig aus dem Gleichgewicht geraten und wird auch nie wieder einen stabilen Zustand erreichen, siehe dazu auch den Artikel auf der Webseite www.kapitalismusfehler.de "Die Wirtschaft der USA im Herbst 2004".
Was die Staatsfeinde in der Bush-Partei mit den nicht reichen Amerikanern vorhaben, ist an anderer Stelle auf der Webseite www.kapitalismusfehler.de beschrieben worden.
Die USA sind geistig und moralisch, aber auch wirtschaftlich auf dem absteigenden Ast. Wir sollten uns und müssen uns weit genug von den USA entfernen, wenn wir nicht in deren Strudel mit nach unten gerissen werden wollen. Die USA sind nur noch militärisch eine Supermacht. Auch das ist ein typisches Zeichen des Niedergangs. Militärische Macht ohne wirtschaftlichen und moralischen Unterbau ist das letzte Stadium im Untergang großer Mächte. Und mit der militärischen Macht allein ist in unserer komplexen Welt ohnehin wenig anzufangen. Atombomben können die USA nicht werfen, wenn sie nicht von der immerhin noch verbliebenen anderen atomaren Supermacht einen Gegenschlag riskieren wollen. Und die konventionellen Streitkräfte haben es schon in einem militärisch und wirtschaftlich so ausgepowerten Land wie dem Irak sehr schwer. Um wieviel desaströser wäre da z. B. ein Angriff auf den Iran, Nordkorea oder selbst Syrien, um nur einige der sogenannten Schurkenstaaten zu nennen. Die Unfähigkeit bzw. Unwilligkeit der USA den israelisch-palestinensischen Konflikt zu lösen, hat dem Ansehen der USA ebenfalls sehr geschadet. Israel ist militärisch, wirtschaftlich und politisch zu 100% von den USA abhängig, so dass die USA hier eine Lösung erzwingen könnten, wenn sie denn wollten.
Wir müssen erkennen, dass die USA von Bush nicht das Amerika ist, was wir bisher kannten. Ebenso sind die Wähler von Bush nicht die Leute, die die USA technologisch und wirtschaftlich zur Weltmacht gemacht haben. Die heutigen USA haben mit den bisherigen USA nur noch den Namen gemeinsam. Deshalb ist gegenüber den heutigen USA auch eine ganz andere Politik nötig.Die Wähler, die Bush gewählt haben, weil er betet, die Homoehe und die Abtreibung ablehnt, für das Gute und gegen das Böse ist, sind kein solides Fundament für einen verlässlichen und weltpolitisch agierenden Staat, mit dem sich schwierige weltpolitische Gefahren meistern ließen.
Mit diesem Präsidenten und seinen überwiegend sehr beschränkten Wählern ist keine Weltpolitik mehr zu machen. Wir können auch nicht darauf hoffen, dass es in vier Jahren besser wird. Denn so ein Einfaltspinsel und Demagoge, wie ihn die Bush-Wähler unterstützen und schätzen, findet sich auch in vier Jahren allemal wieder. Wir müssen eben zur Kenntnis nehmen, dass die Wiederwahl von Bush kein Betriebsunfall war, sondern durch noch größere Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat untermauert wurde. Auch die Mehrzahl der Länderchefs (Gouverneure) sind republikanisch. Fast die gesamte Landmasse der USA hat republikanisch gewählt.

US-Wahlkarte
Fast die gesamte Landmasse ist rot (=republikanisch)

Nur an der Ost- und Westküste und in einigen Regionen um die großen Seen haben die Wähler die Demokraten gewählt. Nur weil diese Staaten bevölkerungsreich sind und deshalb viele Wahlmänner stellen, erscheint der Wahlmännervorsprung von Bush relativ klein. Flächenmäßig jedoch ist fast das ganze Territorium der USA republikanisch eingestellt. Also hoffen wir nicht auf bessere Zeiten.
Bis es wirklich Hoffnungszeichen gibt, müssen wir eine Politik des Containment (Eindämmung) betreiben, wie es nach dem zweiten Weltkrieg mit der Sowjetunion und dem Weltkommunismus gemacht wurde. Und wir haben dazu vorzügliche Möglichkeiten. Der wichtigste Hebel ist dabei die totale Abhängigkeit der USA von internatinalen Finanzzuflüssen in die USA. Die USA brauchen bzw. missbrauchen ca. 80% des frei verfügbaren Weltkapitals, um ihre wirtschaftlichen Ungleichgewichte (Leistungsbilanzdefizit und Haushaltsdefizit) zu finanzieren und damit praktisch auf Kosten der übrigen Welt zu leben. Insbesondere Japan ist ein Großfinanzier der USA. Wenn Japan sein Kapital aus den USA abzieht, erleidet die US-Finanzwirtschaft und der Dollar einen Kollaps.
Desweiteren wäre daran zu denken, das Öl nicht länger in Dollar zu fakturieren. Dann könnten die USA ihren unverantwortlichen Ölhunger nicht mehr mit selbst bedrucktem Papier bezahlen, sondern müssten sich harte Devisen besorgen, z. B. den Euro. Die arabischen Staaten denken schon über diese Dinge nach, weil sie den Dollar nicht mehr für vertrauenswürdig halten. Ferner wäre an eine Isolierung der USA in den vielfältigen internationalen Gremien zu denken.
Denn wir müssen uns klar machen, die USA und insbesondere sein wieder gewählter Präsident sowie dessen Wähler sind Argumenten nicht mehr zugänglich. Es hilft nur noch Zwang, um die USA auf einen Pfad der Vernunft und Berechenbarkeit zurück zu bringen. Wenn wir das nicht wollen oder wagen, werden wir von dem strauchelnden Riesen USA mit in den Abgrund gerissen. Es ist ja bekannt, dass untergehende Weltreiche nicht zimperlich sind, wenn es um ihr Überleben geht. Darauf müssen wir vorbereitet sein und die Welt ohne und nötigenfalls auch gegen die USA organisieren. Sonst werden nicht nur die USA straucheln, sondern auch die heutigen Verbündeten, die aus Dummheit oder Furcht die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben und nicht gehandelt haben, so lange es noch Zeit ist. Und es ist höchste Zeit. Sicherlich werden manchem Leser diese Betrachtungen als politisch nicht korrekt erscheinen. Aber glauben Sie mir, ein Präsident Bush und noch mehr seine in Traumwelten abgetauchten Wähler wissen gar nicht, was politisch korrekt ist. Und wenn, würden sie sich nicht darum scheren. Deshalb gibt es keine Entschuldigungen mehr für das Abwarten, für das Nicht-Handeln. Wer die Zeichen der Zeit nach der Wiederwahl von Bush nicht erkannt hat und nicht handelt, der soll sich auch nicht über seinen eigenen Niedergang beklagen.
P.S. Was wir definitiv nicht machen dürfen, ist, was ein Kommentator in der Bild am Tag nach der Wahl gefordert hat. Wir müssten uns mit dem wieder gewählten Präsidenten arrangieren und respektieren, dass die Amerikaner ihn gewählt haben etc etc. Wir dürften dem Präsidenten nicht mehr mit Arroganz und Spott begegnen. Am Ende taucht der Kommentator ebenso wie die Bush-Wähler in eine Traumwelt ab und kommt zu dem unerfindlichen Schluss, dass Bush einer der größten Präsidenten Amerikas werden könnte. Mit einer solchen unterwürfigen und falschen, aber bequemen Einstellung ist auch unser Abstieg vorprogrammiert. Die Realität ist eine gänzlich andere. Die USA müssen sich mit dem Rest der Welt arrangieren und nicht anders herum. Denn die USA sind mehr und mehr nur noch ein militärischer Koloss auf tönernden Füßen. Und wir tun gut daran, möglichst weit weg zu sein, wenn dieser Koloss Schaden in der Welt anrichtet oder der tönernde Unterbau wegbricht.


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